All you need is less

Scroll down for english version…

Alle Jahre wieder verzichte ich während der Fastenzeit auf Süssigkeiten, Alkohol oder anderes. Alle Jahre wieder werde ich mit grossem Unverständnis gefragt was das soll? Deshalb hier eine kleine, grosse Erklärung:

Begonnen hat alles in einer kleinen katholischen Familie, mit meiner Mutter, die stets die Tugenden einer guten Christin parat hatte. Natürlich hat sie sich nie aufgedrängt, dennoch übernimmt man ja gerne mal über Modelllernen die Eigenheiten der Eltern. Tribut an Bandura an dieser Stelle. So kam es, dass ich bereits im Kindesalter während den vierzig Tagen vor Ostern auf Schokolade verzichtet habe. Erstaunlicherweise fiel mir das nicht allzu schwer.

Ich habe dann Jahr für Jahr damit rumexperimentiert, irgendwann wurden es Süssigkeiten aller Art, ein Jahr sogar alles was süss schmeckte. Schlechte Idee. Gerade als Teenager hatte ich es zweimal so weit gebracht dass mein Kreislauf kollabierte – nicht alles Fasten ist gesund, höre auf deinen Körper.

Als ich älter wurde kam der Alkohol dazu. In den letzten Jahren habe ich also jeweils auf Süssigkeiten und Alkohol verzichtet. Wieder interessant wie verstört das Umfeld reagiert auf den Satz “nein danke, ich trinke nicht”. Eine spannende Beobachtung meinerseits war jeweils, dass ich mich an Partys kaum anders verhielt als wenn ich trinken würde. Man lässt sich ja dann doch von der ausgelassenen Stimmung anstecken, die Wirkung von Alkohol also einmal mehr Nebensache.

Als ich mich schliesslich in den vergangenen Jahren auch mit weissem Zucker vermehrt auseinandergesetzt habe hat sich nun das Muster kein weisser Zucker und kein Alkohol etabliert. Meine Fastenzeit entspricht also mittlerweile auch einer kleinen Detox Kur.

Soviel zu meiner Geschichte. Aber warum halte ich noch immer an dieser Gewohnheit fest? Zum einen ist der Mensch ein Gewohnheitstier, doch es steckt noch mehr dahinter. Als Jugendliche habe ich mich oft gefragt, was genau es denn Jesus bringt, wenn ich 40 Tage keine Schokolade esse? Meine Gedanken haben sich oft um Religion und Glauben gedreht und den Sinn davon und schliesslich habe ich den Sinn genau darin gefunden: denk nach. Hinterfrage, überlege, lege dir die Dinge zurecht, damit sie für dich passen und nicht weil sie dir jemand so predigt. Und wenn es keinen Sinn für dich ergibt? Dann lass es. Hier meine Überlegungen:

„[…] salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ Zitat aus der Bibel Jesus Christus, Bergpredigt (Mt 6,16–18). Glaubt jetzt nicht, ich hätte die Bibel gelesen und wüsste das alles auswendig. Ich war neugierig und wollte wissen, was genau zur Fastenzeit gesagt wird, um es für mich selbst auszulegen: Wenn du etwas tust, tu es nicht, damit die anderen es sehen. Alles was du tust, tust du für dich selbst. Vielleicht glaubst du auch an etwas Grösseres, möchtest deinen spirituellen Weg weitergehen oder es ist einfach Teil deiner Persönlichkeitsentwicklung. Hier gibt es einmal mehr kein richtig oder falsch. Wie das Wort schon sagt, es ist Glauben und nicht Wissen. Irgendwann wurde das Fasten zu einer Art Training der Selbstdisziplin und ich fürchtete, würde ich ein Jahr auslassen, dann würde sich dies auch in anderen Aspekten meines Lebens äussern. Dazu gehört auch das kalte Duschen meinerseits, aber das ist eine andere Geschichte.
Es ist auch der Verzicht, in dem man sich übt. All you need is less. Das Realisieren, dass man nicht alles braucht was man vielleicht das Gefühl hat zu brauchen. Dass man auch einmal Inne hält und lernt zu schätzen was man schon hat, statt ständig von Neuem vom Konsum getrieben zu sein. Fasten kann somit völlig unterschiedlich ausgelegt werden. Nimm dir doch mal für diese 5 Wochen einen Tag pro Woche Bildschirm-frei. Oder versuche dich in dieser Zeit in Meditation, versuche innerlich still zu werden. Du kannst dich in irgendeiner Art und Weise einer Achtsamkeitspraxis widmen, es dreht sich schon lange nicht mehr nur um Schokolade. Ein Versuch wäre es wert oder?

 

English:

Every year I decide to abstain from sweets, alcohol or other. Every year people would ask me in surprise why I do so. Here’s my explanation:

It all started in a small catholic family, where my mother would always know every duty of a christian. She never pushed us to do anything, but thanks to Bandura we know, that children would copy their parents and so did I. That’s how I started to resign on chocolate 40 days before easter, which turned out to be quite easy for me.
I kept experimenting year after year, at some point I resigned to all sweets and one year even to everything that just tasted sweet. That was a bad idea, at some point my body wouldn’t take it anymore and I had a circulatory collapse. That was the way I learnt to listen to my body, trying to keep it healthy, whatever I did.

As I grew older, alcohol joint the sweets, so I disclaimt sweets and alcohol for 40 days, each year. Again it was highly interesting how my environment would react to me saying “no thanks, I don’t drink”. Almost as when I said, no thanks, I’ll skip the chocolate. At some point this seems abnormal.
Finally the past few years, I looked into the subject of white sugar and my current patern evolved, where I would resign to white sugar and alcohol. My lent therefore turnt into some kind of a detox period as well.
So much for my development on fasting. But why would I still stick with it? As a teenager I would keep asking myself, what on earth Jesus would benefit from a teenager, living 2000 years after his death, resigning to chocolate? I would always think a lot of religion and believes and the meaning of it. Finally I figured, it was exactly that what it was about: keep thinking, read and listen, but rethink it and build your own universe, don’t take on a universe, someone else has built.

So in the bible there would be this verse “But when you go without food, put oil on your head and make your face clean; So that no one may see that you are going without food, but your Father in secret; and your Father, who sees in secret, will give you your reward.” (Mt 6,16–18). Don’t think I new this by heart, I haven’t even read the whole bible. I was curious what exactly would be written in it about the lent. In my interpretation it would mean to do whatever you do for yourself, and not for anyone else. Maybe you believe in something bigger and you want to step forward on your spiritual path, but maybe you don’t and this is just part of your personal development. Again there is no right or wrong here, it is all believing, not knowing.

At some point this time of the year turnt into some kind of training for self discipline and I was afraid if I’d skip on it one year, that would have an impact on my everyday life as well. Now I came to the conclusion, it is also about the practice of renouncement. All you need is less. It is the realising we don’t need everything we think we need. So take a little moment to be grateful for everything you have already. Try to rethink your consumer behaviour. Fasting can be seen in many different ways. Maybe you try to take a day off your computer and smartphone a day a week for those oncoming weeks? Or you give a try on meditation. You can commit yourself to any kind of awareness practice, the focus on chocolate is long gone. It’s worth a try, isn’t it?

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s